Ein Interview im Rahmen des Hattinger Lesemarathon 2017.

Michael Völkel und Marita Zschenker
Michael Völkel und Marita Zschenker

Das Interview wurde geführt von Marita Zschenker.

 

Heute darf ich euch mein erstes Interview in diesem Jahr präsentieren. 

 

Lieber Michael Völkel, 

im letzten Jahr,  beim Lesemarathon ìn Hattingen, hast Du uns zwischen den Lesungen musikalisch gut unterhalten Deine Tätigkeiten als Musiker,  Komponist,  Illustrator und Autor sind sehr vielseitig. Wie bist Du zum Paashaas Verlag gekommen? 

 

Etwa 2 Jahre, bevor ich Manuela Klumpjan vom Paashaas-Verlag kennenlernte, habe ich mein Buch “Rattenplage” im Selbstverlag herausgebracht. Seinerzeit hatte es das Format eines Comicheftes und es ist inzwischen so gut wie vergriffen. Einer der Gedanken bei der Veröffentlichung war es immer gewesen, für dieses abgedrehte Projekt einen richtigen Verlag zu finden, der mutig und experimentierfreudig genug ist, ungewöhnliche Wege zu gehen.

 

Nach Vermittlung über meinen lieben Kollegen Harry Michael Liedtke (Autor und Lektor des Verlages und seit neuestem auch mein Duopartner für ein satirisches Programm aus Lesung und Musik), bekam ich Kontakt zu Manuela Klumpjan und wir wurden uns sehr schnell einig. Ich bin sehr froh, dass der ursprüngliche Comic inzwischen in erheblich erweiterter Form als richtiges Buch vorliegt.

 

Dein Buch "Spielmann Michels Rattenplage" enthält zum Beispiel Comics,  Kurzgeschichten, Gedichte und Lieder. Ist dieses Buch komplett aus Deiner Feder entstanden und wie bist Du auf diese Idee gekommen? 

 

Die Idee hatte ich schon vor recht langer Zeit. Die Kombination aus Buch, Bildern und Texten ist etwas tolles. Das Buch “funktioniert” auch nicht ohne die Musik, die entweder in CD-Form beiliegt oder von der Homepage des Verlages heruntergeladen werden kann. Gerade diese Kombination macht es Schubladendenkern schwer. Was ist es eigentlich, was man da in den Händen hält? Ist es eine CD mit sehr aufwendigem Cover oder ein Buch mit Musikbeilage? Beides stimmt irgendwie.

 

Ganz aus meiner Feder stammt die Rattenplage übrigens nicht. Es waren ein paar hoch talentierte Zeichner und Illustratoren dabei. Metin Tempel hat den Comic gezeichnet und ein großartige Arbeit abgeliefert. Die Bilder zum Lied “Zwergengesang” stammen aus einem Videoclip, den der Performancekünstler Liam Bo Skol animiert hat. Darüber hinaus waren noch Will Meeder aus NL, Klaus Penczek und ich selbst an den Illustrationen beteiligt. Das Buch enthält auch einen Beitrag, in dem Tandaniel der Geschichtenweber (ein Freund aus Mittelalterkreisen) den Rattenfängermythos aus historischer Perspektive beleuchtet. Von mir stammen alle Texte des Buches (die historische Recherche ausgenommen) und die entsprechenden Kompositionen auf der CD. Um letztere zeitlich etwas anzureichern, wurden auch ein paar Traditionals mit draufgepackt, sonst wäre sie zu kurz gewesen.

 

Kurz gesagt: Es ist und bleibt mein Baby. Meine Idee, meine Texte, meine Musik. Was ich aber immer gern mache ist, meine Projekte auch für Beiträge von meinen Kollegen zu öffnen. So wird dann etwas Gemeinsames draus, auch wenn es, wie gesagt, mein Baby bleibt.

 

Von der Idee bis zum fertigen Buch - wie lange arbeitest Du durchschnittlich an Deinen Büchern? 

 

Die Rattenplage hat sehr lange gedauert. Da kommen schon so 6-7 Jahre zusammen von der ersten Idee zum Text des Titelliedes, bis zur Fertigstellung des Textes, der Komposition der Musik, der grafischen Gestaltung durch Metin, dem Layout des Buches etc. Für mich als Livemusiker kam noch hinzu, dass ich den Megatext des Liedes auch noch auswendig lernen musste, um ihn aufzuführen. In Liedform ist er 7 Minuten lang.

 

Mein Gitarrenbuch ging etwas schneller, denn ich hatte bereits etliche Ideen und Noten für meine Unterrichtstätigkeit erstellt und zusammengestellt.

 

Bei Deinem Buch "Tricks auf der Gitarre "gibst Du einiges von Deinem Können preis.  War es schwierig für Dich, hier alles in Textform zu bringen? Das stelle ich mir im CD-Format einfacher vor.  

 

Wenn es in dem Buch wirklich “nur” ums Vormachen ginge (“so hört es sich an und so bewegen sich die Finger dabei.”), würde ich dir völlig recht geben. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Überlegungen, die Manuela Klumpjan und mich zur jetzt vorliegenden Form bewogen. Wir wollten, dass das Buch ein gewisses Vintage-Feeling hat, ähnlich der Bücher aus den 60ern. Außerdem war die Produktion so erheblich billiger und wir konnten den Preis sehr günstig unter 10 Euro, also für jedermann erschwinglich, halten. Über die Spieltipps hinaus enthält das Buch auch ein paar theoretische Teile. Das geht nicht ohne Lesen :-). Vor allem ist mir wichtig, so effektiv es geht, so viel Wissen und Spielpraxis wie möglich zu vermitteln. Eine CD oder DVD würde es etwas zu leicht machen, denn wenn Musik in gedruckter Form vorliegt, ist sie besser zu verstehen. 

 

Auf Deiner Website kann ich Deine Vielseitigkeit verfolgen. Gibt es eine Sparte die Dir besonders am Herzen liegt? 

 

Auf jeden Fall die Musik. Ich habe es nie bereut, meinen erlernten Beruf als studierter Sozialarbeiter vor 10 Jahren aufgegeben zu haben, um Profimusiker zu werden. Das Schreiben macht mir auch sehr viel Spaß und ich freue mich sehr über das große Glück, die Gelegenheit zur Veröffentlichung zu haben, doch kann es (das Schreiben) niemals das in mir auslösen, was die Musik in mir bewegt. Das Zeichnen betreibe ich so gut wie gar nicht mehr. Keine Zeit. Nur zu besonderen Anlässen (z.B. der Rattenplage) illustriere ich noch, dann aber mit viel Freude. Nach wie vor übe ich jeden Tag noch 3 bis 4 Stunden auf meinen Musikinstrumenten. Wenn der Tag keine 40 Stunden hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als Prioritäten zu setzen. 

 

Im letztem Jahr ist der Gemeinschaftskrimi Machenschaften, von vielen Autoren geschrieben, veröffentlicht worden. Was hat Dich gereizt dabei mitzumachen? 

 

Zunächst einmal finde ich es immer toll, im Team gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Zugegeben … bei den Machenschaften war jeder Autor sehr auf sich selbst gestellt und musste mit dem arbeiten, was die anderen vor ihm geschrieben haben. Aber gerade das fand ich so reizvoll. Ich selbst habe der Story ganz bewusst eine seltsame Wendung gegeben und war gespannt, wie die folgenden Autoren das wohl weiterführen. Das habe alle ganz großartig hingekriegt. Das Buch ist recht erfolgreich. Offensichtlich erleben es die Leser genauso. 

 

Gibt es 2018 ein neues Buch oder ein neues Projekt von Dir? 

 

2 Bücher sind gleichzeitig in Arbeit. Ein Ukulelenbuch für Einsteiger und ein Geschichtsbuch in dem Spielmann Michel (mein alter Ego als Mittelaltermusiker) von seinen Zeitreisen berichtet und real historische Begebenheiten auf seine etwas durchgeknallte Weise betrachtet. Sehr oft arbeite ich mit dem Archäologischen Museum in Herne zusammen. Das kommt mir für das Buch zugute. Das Ukulelenbuch wird bis April fertig werden, aber in diesem Fall werden tatsächlich ein paar begleitende Videoclips produziert, also wird es etwas dauern, bis alles fertig ist. Wenn es gut läuft, ist das Geschichtsbuch vielleicht im Herbst fertig. Dann muss natürlich noch überlegt werden, wann ein geschickter Zeitpunkt für die Veröffentlichung ist.

 

Darüber hinaus arbeiten die Kollegen und ich gerade ein einem weiteren Gemeinschaftsroman ähnlich der Machenschaften. Mein Beitrag ist schon fertig :-)

 

Möchtest Du meinen Bücherfreunden noch etwas von Dir erzählen oder mit auf den Weg geben?

 

2017 war ein sehr bewegendes Jahr, in dem ich ein paar alte Zöpfe abschneiden musste und mich neuen Projekten zuwenden. Ich glaube nicht, dass ich Erwachsenen Menschen etwas Gehaltvolles mit auf den Weg geben kann, was sie nicht sowieso wissen. Für mich persönlich durfte ich wieder einmal die Erfahrung machen, dass nichts so beständig ist, wie der Wandel. Als Künstler muß man viel und nachhaltig arbeiten, um erfolgreich zu sein und zu bleiben. Da ist dranbleiben gefragt. Aber es macht halt so viel Spaß. 

 

Lieber Michael, ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute.

Ganz neu: Gitarrenbuch Tricks auf der Gitarre von Michael Völkel
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SPIELMANN MICHEL!!!!! Hier geht´s ins Mittelalter. Sang und Tanz aus alten Zeiten!
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